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Strahlende Klänge am Nachmittag und blitzende Lichtkaskaden am Abend.

Orchestersound und Höhenfeuerwerk als synästhetisches Erlebnis

Dass eine geschickte Regie das traditionelle Burgfest Badenweiler und die 60-jährige Jumelagefeier Badenweiler-Vittel am Samstag zur Einheit gefügt hatte, führte zu einem gleichermaßen brillanten Hör- und Seherlebnis. Alleine schon das Badenweilerer Alphorntrio schuf nach dem Partnerschaftsfestakt, von der Galerie des Kurhausfoyers geblasen, ein Klangerlebnis wie von der Hochalm, nur ohne Echo. Gesteigert wurden Wucht, Stilvielfalt und  Soundausdruck allerdings dann um ein Vielfaches, als das 70  Köpfe starke Harmonieorchester aus Vittel unter Leitung von Christophe Jeannot nachmittags zum Konzert auf dem Kurhausplatz rief. Mit in Stimmung und Besetzung unterschiedlichen Filmmusikmedleys wie „Backdraft“, „Around the World in 80 Days“ oder „Kalaschnikow“ konnte das Orchestre de l’Harmonie unter Beweis stellen, dass es als kommunales Orchester einer Sonderklasse angehört. Auch die Badenweilerer Trachtenkapelle, gekleidet diesmal in modernen Unilook ohne Schwarzwälder Traditionswesten, stand dem nicht nach, wenn auch personell mit 29 Musikern unter Dirigient Günther Ritzel, quantitativ bescheidener besetzt.

Dass bei solchen, Europa gewidmeten Ausnahmefeiern auch nationale Riten unbedingt dazu gehören, verstand sich. Und so stand das dicht sitzende Publikum ergriffen auf, als zuerst die zündenden Melodien der „Marseilleise“ und dann die eher getragene deutsche Nationalhymne erklangen – doch beide mit einem atemberaubend gewaltigem Sound, denn beide Orchester hatten sich zu einem einzigen Klangkörper mit 100 Musikern vereint. Ein Hörerlebnis, das in dieser Form in Badenweiler wohl bisher noch nie gelungen war. Auch das traditionelle „Hoch Badnerland“ führte zu ähnlicher emotionaler Anrührung, doch dann kamen mit einem Udo Jürgens-Potpourri, Medleys zu „Robin Hood – Prinz der Diebe“ und „Rock it“ wieder Pop, Jazz bis fetziger Bandsound ins Spiel. Dass das Publikum musiktrunken immer weitere Zugaben wünschte, bewies den Erfolg dieses Doppelkonzerts.

Abends, nachdem die Rockband „Wombats“ an der Konzertmuschel, dieses Mal auch stimmlich, richtig eingeheizt hatte, was sogar die Tanzplattform fast überlastete, kam der letzte Höhepunkt, sogar im wörtlichen Sinne: Das von den Zinnen der Burg Baden abgeschossene Höhenfeuerwerk, das durch seine romantische Atmosphäre, die prächtigen Sternexplosionen und Feuerkaskaden bei Vollmond die Begeisterungsrufe der zahlreichen Zuschauer rechtfertigte. Ein prächtiger Abschluss eines nicht minder prächtigen Doppelfestivals bei strahlendem Großherzogswetter.

Heinz Setzer