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Badenweiler als „Arkadien mit Gralsburg“ am Oberrhein.

400 Jahre Badenweiler-Panoramen als  Kunst und Gästewerbung.

Am Internationalen Museumstag am Sonntag, dem 21.Mai 2017, um 11.15 Uhr, im Annette Kolb-Saal im Kurhaus Badenweiler.

Bildvortrag von Heinz Setzer, Leiter des literarischen Museums Badenweiler „Tschechow-Salon“ und dessen Veranstaltungsplattform, des Internationalen Literaturforums.

Der Start ins diesjährige Literaturforum liegt ganz bewusst auf dem Internationalen Museumstag, soll doch in der Verbindung von Bildvortrag und internationaler Museumsfeier deutlich werden, dass Badenweiler schon vor Jahrhunderten begonnen hatte, sein historisches Image aufzupolieren, wenn auch noch nicht durch ein Museum, so doch zumindest durch ein spektakuläres Bilderspektrum, das die Historie und den Genius loci des Ortes visuell erfahrbar machen sollte.

Schon Matthäus Merian hatte 1643 die erste Radierung mit einer Ansicht Badenweilers veröffentlicht, die in ganz Deutschland  Verbreitung fand. Damals, als Badenweiler noch aus ein paar Häusern und einer Kirche bestand, aber noch mit einem beeindruckenden und intakten Höhenschloss aufwarten konnte,  begann eine visuell-ästhetische europäische „Profilbildung“ des Kurortes, die sich in den nachfolgenden Jahrhunderten enorm steigern und sich aus vielerlei Sehnsüchten, Werbestrategien, aber auch Mythen speisen sollte. Nachdem die Thermalbadruine 1784 als eine der „kostbarsten Ruinen “ der römischen Epoche  des Landes durch mehrere Lithografien für internationale Aufmerksamkeit gesorgt hatte, wurde dann ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Phase einer veritablen Bilderflut der verschiedensten romantischen Impressionen auf Badenweiler eingeläutet. Auffällig nun, dass fast immer der gleiche Blickwinkel eingenommen wurde – Burgberg, Belvedere und Kirche mit Hintergrund Rheinebene und Vogesen  – eben der grandiose Panoramablick des Kurorts. Natürlich hatte man dabei auch Unterstützung durch die „Herrschaft“; war doch etwa die Familie des Großherzogs Leopolds 1842 für mehrere Monate im Kurort und ab Friedrich I.  geriet Badenweiler sogar in den Ruf einer inoffiziellen Sommerresidenz  des Großherzogtums. Also brauchte man eine überzeugende Außendarstellung  – und die lieferten Kupferstecher und Lithografen, wobei häufig die realen Verhältnisse ins Mythische hinein gesteigert wurden.

Im Gemeinde- und Literaturarchiv hat sich ein wahrer Bilderschatz von diesen Darstellungen erhalten: sie sind die visuelle „Medienwelt“, die Badenweiler europaweit bekannt machte und auch Literaten anlockte. Noch heute fasziniert das Bild eines hochromantischen Ortes deutscher Geschichte und Natur, bei dem meist Realität und Idealwelt zusammenflossen und Schwarzwald, Rhein und Vogesen häufig zu Gelenkstellen Europas wurden.

Eintritt frei