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Ein Logenplatz zwischen den Stühlen. Annette Kolb, Bürgerin zweier Vaterländer und literarische Stimme Europas.

Ausstellung zum 50. Todesjahr der Ehrenbürgerin Badenweilers.

 

Eröffnung am 3. November 2017, 18 Uhr im Kurhaus Badenweiler

Eintritt frei

Mit Vorträgen und Lesungen während der Ausstellung.

Ausstellung: 4.-26.11.2017, täglich von 10-19 Uhr

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde Annette Kolb als Lichtgestalt der deutsch-französischen Verständigung, ihr Gesamtwerk als „Roman europäischer Erziehung“  und sie selbst als „Gewissen Europas“, „citoyenne de deux patries“ und „große Dame“ der Literatur in ganz Deutschland gefeiert.

Gerade angesichts der aktuellen Bruchzonen des vereinigten Europas, kann ihr Lebenswerk, das zur Bildung der europäischen Union mit beigetragen hat, wieder eine stimulierende Erfahrung sein. Badenweiler ehrt seine ehemalige Ehrenbürgerin in deren 50. Todesjahr mit einer Ausstellung, ausgerichtet vom Literarischen Museum Badenweiler „Tschechow-Salon“ in Kooperation mit der Dt. Tschechow-Gesellschaft.

Zur Eröffnung am Freitag, dem 3. November um 18 Uhr im Annette-Kolb-Saal des Kurhauses wird Museumsleiter und Ausstellungskurator Heinz Setzer eröffnen.  Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Dr. Hiltrud Häntzschel, Herausgeberin der neuen vierbändigen Kolb-Werkausgabe, wird die Festrede halten: „Annette Kolb – eine Schriftstellerin, die auszog, die Welt zu verändern“. Anekdoten und Reminiszenzen an die Schriftstellerin wird Altbürgermeister Dr. Rudolf Bauert, der Annette Kolb über viele Jahre persönlich kannte, in den Abend einbringen. Museumsleiter Heinz Setzer wird durch die Ausstellung führen, danach sind alle Gäste zu einem Stehempfang im Foyer mit Musikbegleitung durch das Ensemble Prima la musica geladen.

Frau Prof. Dr. Maryse Staiber, die ursprünglich den Festvortrag halten sollte, musste aus Krankheitsgründen absagen.

Die mit Archivmaterial des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, des Monacensia-Archivs der Stadt München und des Badenweilerer Literaturarchivs bestückte Ausstellung soll das Leben, Werk und die gesellschaftliche Wirkung Annette Kolbs wieder ins öffentliche Bewusstsein zurück holen. Zwischenzeitlich war Kolb wenig am Buchmarkt vertreten, doch  nun erscheint sogar eine vierbändige kommentierte Werkausgabe, in Auftrag gegeben von der Deutschen Akademie für Wissenschaft und Kultur, deren Gründungsmitglied sie war.

Die Schriftstellerin, die 1923 neben ihrem lebenslangen Freund und literarischem Mitkämpfer, dem Schriftsteller und Dichter René Schickele, sich in Badenweiler ein Haus errichten ließ, hielt dem Kurort bis zu ihrem Tod die Treue, trotz jahrelanger Exilaufenthalte im europäischen Ausland und den USA. Ihr geliebtes Häuschen in der Kanderner Straße steht heute noch. Badenweiler darf stolz darauf sein, durch Annette Kolb einen Platz in der europäischen Kulturgeschichte erlangt zu haben.

Als die Badenweilerer 80-jährige Wahlbürgerin im Jahr 1955 das Ehrenbürgerrecht des Heilbads und fast zeitgleich, nach Hermann Hesse, Albert Schweizer und Thomas Mann, den Goethepreis der Stadt Frankfurt erhielt -  die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt – galt das „Fräulein Kolb“, das lebenslang keinem geistigen Disput aus dem Weg gegangen und mit vielen großen Schriftstellern Europas befreundet war, als „grande dame“ der deutschem wie der französischen Kulturtradition.

Und als sie am 3.12.1967 als 97-Jährige in ihrer Geburtsstadt München verstarb, hatte sie die höchsten deutschen und französischen Orden für ihren Beitrag zur europäischen Verständigung erhalten.

Weitere Veranstaltungen des Literaturmuseums und der DTG  in der Ausstellungszeit:

Am Folgetag, Samstag, dem 4. November, wird um 2015 Uhr, im Annette-Kolb-Saal des Kurhauses der bekannte elsässische Historiker, Kabarettist, Theologe und schriftstellerische „Grenzvagabund“ aus den Vogesen, Martin Graff, unter dem Titel: „Mitten durchs Herz. Eine deutsch-französische Gardinenpredigt“ halten.

Martin Graff ist bekannt dafür, deutsch-französischen Klischees so frech wie scharfzüngig auf den Zahn zu fühlen. Ein kritisches Abklopfen der badisch-elsässischen Gemeinsamkeiten gemäß den Überzeugungen Victor Hugos und René Schickeles, dass der Rhein beide Länder nicht trennt, sondern verbindet, darf im 60. Jahr der „römischen Grundsteinlegung“ Europas ebenso erwartet werden wie kritische Kommentare zu den deutschen und französischen Wahlen.

Eintritt: 12 €, Kurkarte und DTG 10 €, Schüler/Studierende 6 €.

Sonntag, 19. November, Matinee 11.15 Uhr,  Lesung des berühmten Revolutionspoems des russischen symbolistischen Dichters Alexander Blok „Die Zwölf“. Einführung Prof. Dr. Rolf-Dieter Kluge (Univ. Tübingen), Vortrag durch den Schauspieler Martin Lunz (Literatheater Badenweiler), musikalische Umrahmung, Dietmar Kluge (Leiter Musikakademie Dettendorf).

Eintritt: 10 €, Kurkarte und DTG 8 €, Schüler/Studierende 5 €, Annette-Kolb-Saal Kurhaus

Am Samstag, dem 25. November, 20.15, werden zum Ende der Ausstellung die Literatursprecherin Mandy Leichsenring (Neustadt/Pfalz) und Museumsleiter Heinz Setzer eine Lesung zu Annette Kolb unter dem Motto: „Einige kleine Stinkbomben, ohne Belang, flogen herein“. Textstücke und Aperçus zu Leben und Werk von Annette Kolb und René Schickele.

Arrangiert wird ein funkelndes Potpourri aus biografischen Notizen und Auszügen aus Romanen und gesellschaftskritischen Essays, das einen Eindruck vom mutigen Engagement beider Literaten gegen Nationalismus, Militarismus, Faschismus und für ein freies Europa und eine freie Kunst vermittelt.

Eintritt 10 €, 8 € Kurkarte und DTG, Schüler / Studierende 5 €.

Heinz Setzer