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Große Anerkennung Badenweilers durch den deutschen Dachverband für Literaturmuseen und –gesellschaften.

Förderung des „Stanislawski-Projekts“ des Literaturmuseums „Tschechow-Salon“ und der Deutschen Tschechow-Gesellschaft

Der vor allem vom Bund finanzierte  Dachverband „Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten“ (ALG) mit Sitz in Berlin hielt seine diesjährige Hauptversammlung vom 1.-3.9.2017 in der „Lessing-Stadt“ Wolfenbüttel ab, wo der berühmte Schriftsteller und Aufklärer als Bibliothekar der nicht minder berühmten Herzog-August-Bibliothek arbeitete. Die ALG ist Mitglied der Deutschen Literaturkonferenz und des International Council Of Museums (ICOM).

Nach einer Besichtigung des Lessing-Hauses und der Bibliothek des Welfenherzogs August, die im 16. Jahrhundert wegen ihres umfassenden Bestands als achtes Weltwunder galt, folgten zwei konzentrierte Sitzungstage mit Fachvorträgen sowie der Hauptversammlung der Gesellschaft.  Deren Vorstand unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Wißkirchen, in Personalunion Vorsitzender der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, wurde einstimmig entlastet.

Mit aktuell 262 Mitgliedsmuseen- und Gesellschaften, von denen 97 vertreten waren, ist die ALG die größte und bedeutendste Lobbyvertretung der Bundesrepublik für Literatur, die literarische Einrichtungen in ihrer ganzen Bandbreite fördert. Deren Anziehungskraft ist seit ihrer Gründung im Jahr 1986 ungebrochen, obwohl zur Aufnahme mit vorausgehenden Probejahren, Empfehlungen durch „Paten“ und Wahlbefürwortung durch die ganze Hauptversammlung mehrere Hürden zu nehmen sind.

Die Deutsche Tschechow-Gesellschaft e.V. (DTG) mit Sitz in Badenweiler ist ebenso Mitglied wie das Literarische Museum Badenweiler „Tschechow-Salon“.  Die ALG betreibt eine breite Öffentlichkeitsarbeit für die Mitglieder, etwa mit einem großen Stand auf der Leipziger Buchmesse und Internetpräsentationen, vor allem aber kann sie Fördergelder vergeben. Bei der jetzigen Tagung wurden acht Förderanträge bewilligt, wobei Tschechow-Gesellschaft und „Tschechow-Salon“ für ihr Kooperationsprojekt in 2018 zu dem bedeutendsten Theaterreformer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Konstantin Stanislawski, mit 5000 € die höchste Förderung erhielten. Ein höchst erfreuliches Ergebnis, das die bundesweite Anerkennung beider Institutionen sichtbar unterstreicht. In gleicher Förderhöhe wurde noch die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft bedacht. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Baden-Württemberg-Stiftung dem Badenweilerer Projekt bereits eine Förderung in Höhe von 10.000 € zuerkannt hat und auch von russischer Seite Unterstützung zugesagt wurde.

Beim „Stanislawski-Projekt“ soll mit einer deutsch-russischen Ausstellung und Begleitveranstaltungen zu Stanislawski sowie zu Dr. Josef Schwoerer, dem Arzt Tschechows und Stanislawskis in Badenweiler, und dessen Familie,  sowie zur großbürgerlichen Moskauer Familie Schiwago, ein  bislang kaum bekanntes Kapitel deutsch-russischer Kulturbeziehungen dargestellt werden. Hatte sich Stanislawski doch nicht nur 1908 zur Einweihung des weltweit ersten Tschechow-Denkmals in Badenweiler aufgehalten, sondern zwischen 1928 bis 1932 über 13 Monate seines Lebens im Heilbad verbracht und von dort seine Moskauer Theater gelenkt. In der gerade gedruckten Ausgabe (Nr. 57) der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift „ALG Umschau“ wurde ein umfangreicher Bildbericht über den „Tschechow-Salon“ und die DTG veröffentlicht.

Heinz Setzer