Not- & Stördienste
Nächste Sitzungstermine
Aktuelles Wetter

Tschechows letzte Worte. Ein Film-Essay über Tschechows Ende in Badenweiler

Es ist nicht der erste Film, der über Tschechows Tage in Badenweiler gedreht wurde, aber er dürfte nach Fertigstellung gewiss einer der persönlichsten sein. Dominique de Rivaz, die 1953 in Sion/Schweiz geborene Regisseurin, dreht ihn aus innerstem Interesse am Schicksal Anton Tschechows, zusammen mit dem Kameramann Dmitri Leltschuk aus Hamburg.

Die Filmemacherin, die in Fribourg Literatur, Geschichte und Journalismus studierte, ist in der Schweizer Hauptstadt Bern, aber vor allem in Berlin zu Hause. Sie arbeitet als Reporterin für das Schweizer französischsprachige Fernsehen, hat ein Theaterstück über die 2006 in Russland ermordete Journalistin Anna Politkowskaja inszeniert, doch einen europaweit bekannten Namen erwarb sie sich vor allem mit ihren Filmen, etwa den Spielfilmen „Luftbusiness“ (2007), der beim Filmfestival in Locarno  gezeigt wurde,  oder „Mein Name ist Bach“ (2004), der den Schweizer Filmpreis gewann und für den Oscar nominiert wurde. Zudem gibt es eine ganze Reihe von langen Dokumentarfilmen etwa „Claude Goretta“, „Chère Jacqueline…“ oder „Mon père, c’est un lion“ sowie kürzere Filmarbeiten. Darüber hinaus arbeitet sie als Schriftstellerin, Theaterautorin und künstlerische Fotografin. Eine Besonderheit ihres Oeuvres sind Filmessays. So entstand 2014 ihre „Elegie für einen Leuchtturm“, die den Kinopreis des Kantons Bern gewann und wo der Abschied des Wärters von seinem stillgelegten Leuchtturm im hohen Norden Russlands sich emotional mit der Trauer über den Tod ihres eigenen Vaters mischt.

Über den jetzigen Filmessay von de Rivaz urteilen zu wollen, wäre verfrüht, doch scheint Tschechows innere Haltung zum eigenen Tod als Annahme der eigenen Endlichkeit der treibende Impuls zu sein. Rund zwei Wochen sollen die Dreharbeiten dauern, dazu gehört der Besuch der Lebensorte des Schriftstellers ebenso wie der der Stätten der außergewöhnlichen Gedenkkultur an Tschechow im Heilbad, wie des Literaturmuseums oder des Tschechow-Denkmals am Burgberg.

Heinz Setzer