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Russland gab sich die Ehre: Großer Botschaftsempfang zum russischen Nationalfeiertag in Berlin

Festsäle und Gärten der Russischen Botschaft mit der berühmten Berliner Adresse „Unter den Linden 63-65“, wenige Meter vom Brandenburger Tor, standen für viele Hundert geladener Gäste weit offen, als Botschafter Sergej Jurjewitsch Netschajew am 12. Juni 2019 zur Feier des Russischen Nationalfeiertags lud.

Dabei besitzt dieser Staatsfeiertag eine besondere Bedeutung, die gerade gegenüber Westeuropa sichtbar wird. Zwar war die Staatsgründung Russlands bereits am 12.6.1990 erfolgt, doch erst vier Jahre später wurde der 12. Juni zum offiziellen Feiertag erhoben und erst 2001 erhielt er seine jetzige Bezeichnung als Nationalfeiertag – unter Vermeidung militärischer Reminiszenzen. Für die russische Bevölkerung scheint allerdings nach wie vor der 9. Mai, die Unterzeichnung der deutschen Kapitulation 1945, der mit mehr Bedeutung aufgeladene und begangene Feiertag zu sein.

Jetzt, beim Nationalfeiertag in Berlin, wurden die „Tschechow-Stadt“ Badenweiler als auch die Deutsche Tschechow-Gesellschaft (DTG) durch den Museumsleiter und Stv. DTG-Vorsitzenden Heinz Setzer vertreten, der die Grüße beider Institutionen überbrachte und deren Bereitschaft zur Fortentwicklung des deutsch-russischen Kulturdialogs betonte.  Bei Überreichung des Veranstaltungsflyers zur Internationalen Tschechow-Woche betonte Netschajew, dass er über Badenweiler sehr gut Bescheid wisse. Der 66-jährige Botschafter, der letztes Jahr sein Amt in Berlin in der Nachfolge von Wladimir Grinin übernahm, hatte sich - gemäß einem biografischen Statement des Deutsch-Russischen Forums - schon als Schüler für die deutsche Literatur begeistert und konsequenterweise in Moskau Germanistik studiert. Nach dem Untergang der Sowjetunion 1990 arbeitete er zuerst in Berlin und hatte in den 1990er und 2000er Jahren verschiedene diplomatische Funktionen in Deutschland inne, etwa als Generalkonsul in Bonn, ein Amt, bei dem er damals auch für Badenweiler zuständig war. Ab 2010 war er für mehrere Jahre in Wien als Botschafter tätig.

Zwar gab es bei der Nationalfeier keine offizielle Verlautbarung bzw. Ansprache des Hausherrn, doch dafür standen die persönliche Begegnung und das Gespräch der vielen Gäste untereinander im Vordergrund. Badenweiler und die DTG hatten den Botschafter bereits vor diesem Treffen zur Teilnahme an der Internationalen Tschechow-Woche im Juli nach Badenweiler eingeladen. Besonders passend wäre dabei der Besuch des Gastspiels des Staatlichen Akademischen Obraszow-Puppentheaters aus Moskau, das im Rahmen des russischen Festivals „Russian Seasons in Germany 2019“ vom russischen Kulturministerium finanziert wird – ein sichtbares Signal der hohen Wertschätzung Badenweilers durch Russland. Ob sich ein Besuch Netschajews realisieren lassen wird, blieb noch offen. Übrigens bat Setzer den Diplomaten, herzliche Grüße an dessen Mutter, Prof. Dr. Walerija Netschajewa, zu bestellen, die als ehemalige Russisch-Dozentin am Slavischen Seminar in Tübingen bei der Gründung der DTG vor zehn Jahren in Anerkennung ihres Engagements für die russische Kultur in Badenweiler zum DTG-Ehrenmitglied gewählt wurde. Seit Jahresbeginn lebt Frau Netschajewa in Berlin.

Als weiteren wichtigen Gesprächspartner traf Setzer den Ersten Botschaftsrat und Kulturattaché Oleg Ksenofontow, um die Delegationsreise von Badenweilerer Bürgern und DTG-Mitgliedern im September zur Kulturpartnerstadt Taganrog und die Weitergabe der Stanislawski-Sonderausstellung des Literaturmuseums an die Partnerstadt zu besprechen.

Ein glücklicher Zufall führte Setzer mit dem Ersten Vorsitzenden des Deutschen Russischlehrerverbandes, Wilhelm Lückel aus Marburg, für ein intensives Gespräch zusammen. Fast zwangsläufig ergab sich als sinnvoller Ausblick, den Kontakt der DTG und des Heilbads zum Russischlehrerverband zu intensivieren. Natürlich darf auch die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft und die beeindruckende russische Küche nicht unerwähnt bleiben.

Heinz Setzer